Unser Maibaum

1. Mai 2021

Heimlich, still und leise – und der Maibaum steht!

Habt Ihr es bemerkt?

Ohne Umzug, ohne Spielmannszug und fast ohne Zuschauer haben wir am 1. Mai heimlich, still und leise den Maibaum aufgestellt. Schon beim Schmücken am Tag zuvor haben wir mit Abstand den schönsten Baum mit Schleifen und neuem Buchsbaum bestückt. Wie immer – nur ohne das übliche Drumherum – wurde der Baum am 1. Mai um 10 Uhr zum Dorfplatz gebracht und mit vereinten Kräften aufgestellt. Dabei hat sich mal wieder die Konstruktion von Dirk Rave bewährt, sodass wir mit wenigen Leuten den Baum in die Senkrechte bekommen haben und trotzdem die Sicherheit gewährleistet war. Allerdings mussten alle sehr kräftig ziehen. Unsere drei Zuschauer haben fleißig mit uns „Der Mai ist gekommen“ gesungen und es gab hinterher auch für alle Helfer und Zuschauer eine Flasche Maibock bzw. Waldmeister-Fassbrause.

So haben wir den Mai auf eine stille, aber nette Art begrüßt.

Danke an die Zieher, Drücker und Schmücker!

neue Bank am Maibaum

Unseren Maibaum haben wir erweitert. Nachdem der Platz gemeinsam mit der Gemeinde verlegt wurde und der Maibaum jetzt etwas Platz um sich hat, konnten wir diesen mit einer neuen Bank schmücken. Bitte Platz nehmen! Zum Klönschnack, für die Fahrradpause …

                                            … gestiftet vom Gewerbeverein Probsteierhagen e.V.

Der Maibaum – wie es begann

Am 1.Mai 1989 sollte das erste Mal ein Maibaum aufgestellt werden. Zu dieser Zeit kannte man diesen Brauch zwar in unseren südlicheren Bundesländern, in Schleswig-Holstein war der Maibaum aber noch sehr selten zu sehen. So wurde von der Gemeindevertretung die Genehmigung eingeholt, einen Maibaum aufzustellen. Aber wie bekommt man das hin? „Wir brauchen 6 Stöcke und 2 Seile“ soll Ludwig Schierer gesagt haben. Ganz so einfach war es dann doch nicht. Immerhin bekam der Baum eine schwere Krone, an die Schilder von allen Gewerken des Vereins angebracht wurden. Zunächst wurde die Feuerwehr mit einer Winde eingespannt, um den Mast in den Ständer zu hieven. Das war noch mit sehr viel Spannung aber auch Risiko verbunden. Auch mit dem Bagger von Olaf Schwerdt ging es zwar, aber da musste schon mal die Regenrinne der Volksbank leiden. Heute wird der Mast mit einem Kran hochgehoben und in die Halterung eingeführt. So werden jedenfalls die umstehenden Gäste nicht mehr gefährdet, auch wenn es nicht mehr so spannend wie am Anfang ist.  

Woher stammt eigentlich dieser Brauch? Kam er aus Skandinavien oder ist der Ursprung eher in Bayern, wo jedes Dorf seinen Maibaum hat?

Ein Blick ins Internet klärt alles auf – dachte ich. Man findet dort Beiträge von vielen Maibaum-Vereinen – alle in Süddeutschland. Über den Ursprung sind sich alle einig: es ist ungeklärt.

Die Wikinger haben zu Ehren ihres Gottes Thor am 1. Mai den Thorsbaum aufgestellt- ein 2-Mann-hoher geschmückter Pfahl. Auch die Germanen hatten Waldgottheiten, denen verschiedene Riten gehuldigt wurden. Nachdem das Christentum überall verbreitet war, sind diese Traditionen aber nicht mehr fortgeführt worden. Im Mittelalter wurden heidnische Bräuche von der Kirche aufs Schärfste verfolgt, so dass spätestens zu dieser Zeit keine Maibaumkultur mehr überleben konnte.

Stattdessen gab es in einigen Teilen des heutigen Deutschlands im 13. Jahrhundert den christlichen Pfingstbaum. So hat sich der Brauch doch über die Zeit gerettet. In Schweden ist es zum Mittsommerfest geworden, so dass dort erst zur Sommersonnenwende im Juni der Baum aufgestellt wird. Zum Maibaum ist es erst im 18. Jahrhundert geworden, als Minister Maximilian von Montgelas einen Baum als Symbol der Selbständigkeit Bayerns am 1. Mai aufstellen lassen hat. Allerdings sieht der Baum in Bayern etwas anders aus: er wird am Vortag frisch geschlagen und geschält. Der Stamm wird bemalt, die Krone bleibt grün belaubt. Der Maibaum wurde als Symbol für verschiedenste Dinge angesehen – als Freiheitssymbol in Bayern und während der französischen Revolution, als Fruchtbarkeitssymbol und zur Vertreibung der Hexen und Geister.

Auch wenn unser Maibaum eher Ähnlichkeit mit der nordischen Variante hat, so sind durchaus Parallelen zu unseren südlichen Mitstreitern erkennbar, denn eines ist ganz klar: unser Maibaum hat auf jeden Fall eine Wurzel in Bayern. Etwas ist überall gleich: Das Aufstellen ist ein großes Ereignis und wird mit Musik und so manchem Liter Bier begleitet.

Am 1. Mai 1989, als der erste Maibaum in Probsteierhagen aufgestellt wurde, war der Gewerbeverein noch in Gründung. Die in 1984 gegründete Gewerbegemeinschaft war dabei, sich eine Vereinssatzung zu geben und die Eintragung zu beantragen. So wurde beschlossen, 12 Zunftzeichen der ortsansässigen Handwerker als Maibaumschmuck zu verwenden. Einige der Gewerke sind heute nicht mehr vor Ort vertreten, so dass deren Zeichen bereits ausgetauscht wurden. Andere sind noch am Baum vertreten, obwohl sie zurzeit nicht in Probsteierhagen tätig sind. Mancher fragt sich heute, was die Zeichen überhaupt zu bedeuten haben.

Zunächst einmal ist da das allgemeine Handwerkszeichen mti Hammer, Eichel und Eichenlaub. Außerdem gehören — Bäcker – an den beiden Löwen mit der Brezel zu erkennen, – Holz- und Kunststoffverarbeitung (HKH), – Fuhrbetrieb (LKW), Gaststätten (Kochmütze, Messer und Gabel), Florist (Rose, Hand und Messer), Elektrohandwerk (e mit Blitzpfeil),  Kraftfahrzeugbetrieb (Auto mit Eichenlaub und Eichel),  Fleischer (Lamm mit Flagge),  Glaser (gekreuzte Werkzeuge- Glaserdiamant, Trenneisen, Hammer, Kröseleisen),

Metallbau (Zahnrad mit Handwerkszeichen) und Heizungsbauer (Kreise mit Pfeil nach oben) dazu.

Text: hk